10 Jahre JISR - 10 Jahre Musik gegen die Beschränktheit
„Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“ (Sir Isaac Newton)
Zwei Musiker, über die Balkanroute nach Deutschland gekommen, trugen eine Oud und eine Viola in diese Stadt. Hinzu kam ein junger Musiker aus Marrakesch, neu in Deutschland, mit einem inneren Archiv aus Maqams, Rhythmen und Erinnerungen. Das erste Konzert im Münchner Stadtmuseum war für ein kleines Publikum angesetzt. Am Ende standen sechshundert Menschen vor der Tür. Der Raum, die Sammlung, die Stadt – alles geriet in Schwingung.
Was sich dort ereignete, war keine Überraschung, sondern eine Resonanz. Eine Musik hatte ihr Publikum gefunden. Und die Stadt hörte plötzlich zu.
Aus diesem Moment entwickelte sich ein musikalisches Gefüge, das sich über Jahre verdichtete. JISR wuchs wie ein Ensemble ohne feste Ränder: Stimmen kamen hinzu, andere lösten sich, Themen kehrten zurück, Motive wurden transformiert. Dutzende Musiker:innen aus München und darüber hinaus schrieben an diesem Klang weiter – Virtuosen und Suchende, Solist:innen, Begleiter:innen, Neuankömmlinge und Weggefährt:innen aus der Diaspora.
Die Musik von JISR bewegt sich durch Modi, Grooves und harmonische Felder, ohne sich festzuschreiben. Arabische Maqams gleiten in offene Harmonien, polyrhythmische Texturen tragen improvisierte Linien, Formen bleiben durchlässig. Hier wird nicht zitiert, sondern weitergedacht. Es ist eine Musik gegen die Beschränktheit – gegen starre Genres, gegen nationale Klangbilder, gegen ästhetische Vereinfachung.
Was in München seinen Ausgang nahm, weitete sich aus. Konzerte, Reisen und Aufnahmen führten diesen Klang in andere Kontexte, auf andere Bühnen, in andere Räume – nach Europa, Nordafrika, Südasien. Die Musik veränderte sich, reagierte, nahm auf. JISR wurde zu einem musikalischen Organismus, der auf Begegnung angewiesen ist und von ihr lebt.
Zehn Jahre später steht kein abgeschlossenes Werk, sondern ein offener Prozess. Dieses Jubiläum ist kein Schlussakkord, sondern eine Zäsur – ein Innehalten im Fluss. Eine Einladung, genau hinzuhören, mitzuschwingen und diesen Klangraum weiterzutragen.
Das Jubiläum ist kein Rückblick, sondern eine Einladung: zuzuhören, mitzufeiern und Teil dieses Gefüges zu sein.