ROMAN Bunka (* 2. Dezember 1951 in Frankfurt am Main; † 12. Juni 2022)


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***Die große Reise: Zum Tod von Roman Bunka*** (Juni 2022)

Das Berliner Jazz Festival 1994 präsentierte mit Roman Bunka einen der profiliertesten deutschen Oud-Spieler und Gitarristen, über den die Zeitschrift "Stereo" einmal schrieb: "Roman Bunka verbindet mit seinem märchenhaften Solo auf der arabischen Laute alle Völker und Kulturen!" Und in der Tat steht die Biographie des 1951 Geborenen für ein eigenes Kapitel jüngerer deutscher Musikgeschichte. Bei den deutschen Weltmusik-Pionieren Embryo (Kult-Kinofilm "Vagabundenkarawane" von Werner Penzel, 1978) und auf seiner ersten Solo-LP beeindruckt Bunka durch sein orientalisch eingefärbtes Gitarrenspiel. Schon 1976 spielt er mit dem indischen Meister-Perkussionisten Trilok Gurtu, der später mit John McLaughlin seine größten Erfolge feiert, in Bombay. Auf der Suche nach einem zweiten Saiteninstrument das geeigneter für seine musikalische Entwicklung in Richtung modale und mikrotonale Tonsysteme scheint, endeckt er die arabische Laute, die bundlose Mutter der Gitarre, die "Oud". Nach Konzerten mit Okay Temiz in der Türkei wird das Kairo der achziger Jahre für einige Zeit sein musikalisches Exil in der arabischen Welt. Dort begegnet er dem ägyptischen Star-Sänger und Schauspieler Mohamed Mounir - محمد منير, den er bis heute begleitet und für den er regelmäßig Lieder arrangiert. ("Wast el daira", Line Rec.) Solo-Konzerte in Tunis, Kairo, Assuan, Damaskus, Aleppo, Sanaa, Beirut und sein Auftritt auf dem Jazz-Festival in Granada bringen seine "ganz persönliche Entdeckungsreise durch die arabische Musik" (P. Pannke) einem interessierten Welt-Musik Publikum näher. Für den Kinofilm "Al Oud" von Fritz Baumann der den „Gold Hugo“ Filmpreis 1992 beim Chicago International Film Festival bekommt, übernimmt er die musikalische Leitung und komponiert die Filmmusik. Bei diesen Dreharbeiten beginnt die Zusammenarbeit Bunkas mit dem Geigen-Virtuosen Abdu Dagir aus Kairo. ("Malik-a-Taksim" auf ENJA Rec.) Die Kinofilme "Warshots" und "Ende einer Reise" von Heiner Stadler (Bayr. Filmpreis) sowie die Musik zur Verfilmung dreier Kurzgeschichten von Paul Bowles mit dem Titel "Halbmond" von Frieder Schlaich, die mit dem Spielfilmpreis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet wurden, präsentieren ihn als Film-Musik Komponisten, der geschickt seine orientalisch eingefärbten Sound-Collagen dramaturgisch einsetzt. Mit dem spanischen Flamenco-Gitarristen Tomatito spielt er die Musik zum Kinofilm "Bin ich schön?!" (Virgin-music) von Dori Dori ein. Bunka komponiert Filmmusiken für Josef Rödl, Maria Knilli und Herbert Brödl und die Musik für weitere Arbeiten von Fritz Baumann ("Anansi", "Die Reise des Löwen") und Heiner Stadler ("Essen, schlafen, keine Frauen", "Der Prospektor"). Mit der Regiesseurin Grace Yoon realisiert er die Hörspiele "Tunguska-Guska" (Prix Futura BBC, Schneeball records) und "Earborn" .(JARO Rec.) Bei ihren Hörspielen "Illusion des Endes", „Family Affair“ und "Sonnentango" wirkt er zusammen mit Mal Waldron, Jeanne Lee, Blixa Bargeld, Tri-O, Ernst Reijseger, Xizhi Nie und Lauren Newton als Musiker mit. Ein Konzert-Mitschnitt seines Projekts "Color Me Cairo" mit dem Grammy-Gewinner Fathy Salama aus Ägypten und Malachi Favors vom legendären "Art Ensemble of Chicago" bekommt den Preis der deutschen Schallplattenkritik. (ENJA RECORDS) Die CD "Orientacion" erscheint bei ENJA als grenzüberschreitendes Projekt zwischen Tango, Arabesk und Jazz, an der Gitarre der argentinische Komponist Luis Borda, am Cello Jost Hecker. Mit dem ägyptischen Musiker und Musikwissenschaftler Issam El-Mallah, dem Sänger Scheich Arabi Farag und dem Kawala-Virtuosen Achmed Arnab formiert sich das Madih-Ensemble, das äußerst erfolgreich mit Komponisten aus dem Bereich der Neuen Musik zusammenarbeitet. Die Kompositionen „Sufi-Modem“ und „Ruh-I-Ghulab“ von Rupert Huber werden vom Madih- Ensemble zusammen mit den Chören des NDR, WDR und BR ur-aufgeführt und gesendet. Im Rahmen des Festivals für Neue Musik in Ulm konzertiert das Ensemble zusammen mit dem „European Music Project“ mit Werken der Komponisten Jürgen Grözinger („Orient-Okzident“) und Klaus Huber („Die Erde bewegt sich auf den Hörnern eines Stiers“). Im Studio und auf der Bühne arbeitet Roman Bunka mit den Dissidenten, Jisr جِسْر "Brücke", Mohamed Badawi, Housseine Killi, Wladimir Iwanoff, Hamid Baroudi, Paramashivam Pilai, Karnataka College of Percussion, Hartmut Geerken, Charlie Mariano, Edgar Hofmann, John Tchicai, Monty Waters, Roland Schäfer, Gabrielle Mirabassi, Claudia Ott, Stepanida Borisova, Sainkho Namchilak, Fadia El-Hage, Lidia Borda, Hubl Greiner, Ha- Mondo, Limpe Fuchs, Rhani Krija, Ramesh Shotham, Salah Ragab, Pierre Favre, Bijan Chemirani, Ronan Guilfoyle, Norbert Dömling, Francesco Turrisi, Ayman Mabrouk, Ehab Aboufakher, Ramamani RA, Karthik Mani, Marwan Fakir, Indradeep Ghosh, Jalal Ahmed, Nandini Muthuswamy, Lalitha Nandini M, Subrata Bhattacharya, Labik Kamal, Akmal Qadri, Guido May, Vladislav Cojocaru, Gergely Lukacs, Marja Burchard, und Bassem Hawar... 2013 porträtiert Janek Romero in seinem Dokumentarfilm "City of Sounds" Roman Bunka im Kreis seiner ägyptischen Musiker-Freunde in Kairo. 2014 verleiht ihm die Stadt München den "Schwabinger Kunstpreis". 2015 wird er vom größten Afrika-Festival Europas mit dem "Africa- Festival-Award" ausgezeichnet. Roman Bunka hat seine letzte TOURNEE mit dem Weltmusikensemble Jisr جِسْر "Brücke" in Srilanka, Pakistan, Bangladesch und Indien im März 2022 gehabt. Er ist ein musikalischer “Grenzgänger”, der den Dialog der Musikkulturen vorantreiben wollte. "...dort treffen sich zwischen seinen Fingern die Modi und Skalen arabischer Mystik mit der elektrifizierten Leichtigkeit urbaner Bluesmen. Roman Bunka ist der Mittler und die Zentrale einer Fusion von Welt, wie sie nur schlicht als geglückt oder als Utopia einen Namen fände, so man einen suchte!" (Jazzthetik)